# PROTECTWATER

 

Pressemitteilung des DAFV
 Berlin, 13. März 2019

380.000 sagen der EU-Kommission:

„Hände weg vom Wassergesetz!“

Ca. 380.000 europäische Bürgerinnen und Bürger haben die EU-Kommission aufgefordert, die strengen europäischen Wassergesetze zu verteidigen. Es war eine der größten Öffentlichkeitsbeteiligungen in der Geschichte der Europäischen Union. Das Gesetz, die so genannte Wasserrahmenrichtline (WRRL), soll sicherstellen, dass Flüsse, Seen und Feuchtgebiete wieder einen guten ökologischen Zustand erreichen. Für die Zukunft beinhaltet das Gesetz ein Verschlechterungsverbot.
Über 100 NGOs haben mit der Kampagne #ProtectWater Bürger aus ganz Europa aufgerufen, sich für die Aufrechterhaltung der starken europäischen Gesetze zur Wiederherstellung und Erhaltung der Gewässer einzusetzen. Die EU führt derzeit einen so genannten „fitness-check“ der Gesetzgebung durch. Mehrere Mitgliedsstaaten, darunter auch Deutschland, hatten sich dafür eingesetzt, die Richtlinie aufzuweichen und die Frist für deren Umsetzung erneut zu verlängern.
Eine der größten Öffentlichkeitsbeteiligungen in der Geschichte der EU
„Es ist ein starkes Zeichen, dass sich 380.000 Europäerinnen und Europäer an der Kampagne beteiligt haben. Sie haben ihren Regierungen laut und deutlich gesagt, dass sie die bestehenden Richtlinien nicht abändern, sondern nun endlich umsetzen sollen. Unsere Gewässer sind die Lebensadern in der Natur, ihr Erhalt ist unser aller Lebensgrundlage und damit nicht verhandelbar.“, so Dr. Christel Happach-Kasan, Präsidentin des Deutschen Angelfischerverbandes (DAFV), „2000 wurde das Gesetz unterzeichnet und 2003 begann die Umsetzung. In 16 Jahren hat es Deutschland gerade einmal geschafft, 8% der Gewässer in einen guten ökologischen Zustand zu überführen und belegt damit in Europa den drittletzten Platz. Wir fordern den Bund und die Länder auf, die Untätigkeit zu beenden und nun endlich ernsthafte Anstrengungen für die Gewässer und die Fische zu unternehmen, anstatt zu versuchen, das Gesetz zu ändern oder die Fristen zu verlängern.“.

Mehr als 130 Organisationen für die Gewässer in der EU
Die #ProtectWater Kampagne ist ein Zusammenschluss der European Anglers Alliance, dem European Environmental Bureau, WWF und der European Rivers Network and Wetlands International – welche zusammen die Living Rivers Europe Koalition geformt haben. Nach 20 Jahren hat die EU-Kommission die Wasserrahmenrichtlinie einem Fitness-Check unterzogen. Dabei haben alle EU-Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, im Rahmen einer Öffentlichkeitsbeteiligung ihre Meinung zu äußern. Diese haben nun ein klares Votum gegen die Änderung der bestehenden Gesetzgebung zum Ausdruck gebracht. Die Kampagne wurde im Oktober 2018 gestartet und von mehr als 130 Organisationen aus ganz Europa unterstützt.

Angler aus Deutschland zeigen das größte Engagement
Unter den Anglern hatte Deutschland mit großem Abstand die meisten Unterstützer in Europa: „Das zeigt, dass sich die Angler in Deutschland für ihre Gewässer und die darin lebenden Fische aktiv einsetzten. In Deutschland haben Angler eine staatliche Ausbildung absolviert und eine gesetzlich verankerte Hegeverpflichtung. Die ehrenamtliche Hege und Pflege der Fische und Gewässer hat eine lange Tradition und sie nehmen damit eine aktive Rolle für den Schutz und den Erhalt der Gewässer in unserem Land ein.“, so Alexander Seggelke, Geschäftsführer des DAFV, „Wir haben es satt, in heißen Sommern massenweise tote Fische aus Gewässern zu ziehen, die durch die vielen negativen Veränderungen einfach keinen Puffer mehr haben, auch mal eine Ausnahmesituation zu überbrücken. In den Oberläufen unserer Flüsse gibt es alle paar Kilometer eine Sperre für Fische. Jeder einzelne Betreiber solcher kleinen Wasserkraftwerke meint, er tut ein gutes Werk für die Umwelt. In der Summe sterben uns die Fischarten aus, da sie ihre Lebensräume nicht mehr erreichen können. Die fehlende Vernetzung der Lebensräume hat jüngst auch die UNO als eine der größten Bedrohungen für die Arterhaltung beschrieben.“.


Wie geht es jetzt weiter?
Die offizielle Auswertung der am 12. März beendeten Öffentlichkeitsbeteiligung wird voraussichtlich im Herbst 2019 von der EU veröffentlicht. Die finale Entscheidung über die Zukunft der Wasserrahmenrichtlinie wird im ersten Halbjahr 2020 erwartet. Die Living Rivers Europe Koalition wird den weiteren Verlauf kritisch begleiten und sich entschieden dafür einsetzten, dass die Ziele dieser bahnbrechenden Richtlinie von den Mitgliedsstaaten vollständig umgesetzt und deren Einhaltung von der Kommission überprüft wird. Damit spätestens 2027 die Mehrheit der Gewässer und der darin lebenden Fischbestände wieder einen guten ökologischen Zustand erreichen.

Über die Wasserrahmenrichtline
Die WRRL ist eine der weitreichendsten Umweltgesetzgebungen in der EU. Die Richtlinie umfasst den Schutz, die Verbesserung und die Wiederherstellung der Flüsse, Seen, Küstengewässer und Feuchtgebiete.
Im Rahmen der WRRL haben sich die Mitgliedsstaaten verpflichtet, die Mehrheit der Gewässer bis zum Jahr 2015, doch spätestens bis 2027 in einen „guten ökologischen Zustand“ zu versetzen. Außerdem gilt für den erreichten Zustand ein Verschlechterungsverbot.
Die WRRL wird derzeit im Rahmen eines „Fitness-Check“ überprüft. Alle Teile der Richtlinie werden dabei auf Relevanz, Effektivität, Effizienz und Kohärenz mit angrenzenden Richtlinien überprüft. Das beinhaltet eine öffentliche Beteiligung der Bürger und Fachleute.

 

 

Der DEUTSCHE ANGELFISCHERVERBAND e.V. (DAFV)
Der Deutsche Angelfischerverband e.V. besteht aus 27 Landes- und Spezialverbänden mit ca. 9.000 Vereinen, in denen insgesamt rund 500.000 Mitglieder organisiert sind. Der DAFV ist der Dachverband der Angelfischer in Deutschland. Er ist gemeinnützig und anerkannter Naturschutz- und Umweltverband. Der Sitz des Verbandes ist Berlin. Er ist im Vereinsregister unter der Nummer 32480 B beim Amtsgericht Berlin Charlottenburg eingetragen und arbeitet auf Grundlage seiner Satzung.

Kontakt:
Olaf Lindner • Tel: 030 97104379 • Email: o.lindner@dafv.de • Web: www.dafv.de

Text: © DEUTSCHER ANGELFISCHERVERBAND e.V. 2018

Tag der Wanderfische

DAFV Logo blau                                                                                                                                      Eel Group

Pressemitteilung: Gemeinsame Erklärung zum Tag der Wanderfische

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Still und leise verenden tagtäglich unzählige Aale auf ihren Wanderungen in den Turbinen der Wasserkraftwerke. Foto: Frode Kroglund

Fische müssen wandern!
Tiere auf der ganzen Welt fliegen, schwimmen, laufen oder lassen sich passiv treiben, um ihren Standplatz zu wechseln und Orte zu erreichen, an denen sie fressen, brüten, ihren Nachwuchs großziehen, oder einfach nur um lebensnotwendige Bedingungen vorzufinden.Oft unsichtbar, aber von großer Bedeutung, wandern Fische und nutzen dabei unsere Flüsse als natürliche Fernstraßen.
Das Problem: Die meisten dieser Straßen sind mittlerweile ganzjährig blockiert.

Rund 1,3 Millionen Wanderhindernisse in Europa behindern Fische und viele andere Wasserorganismen in ihrem natürlichen Wanderverhalten. Man stelle sich einen Himmel voller Netze vor, die es den Zugvögeln unmöglich machen, von und zu ihren Überwinterungsgebieten zu fliegen.


Fischbestände leiden unter blockierten Wanderwegen

Millionen von Fischen werden jedes Jahr beim Wechsel ihrer Standplätze still und leise getötet. Von den 25.000 Wasserkraftwerken, den 10.000 Pumpstationen und unzähligen Wehren und Abstürzen in ganz Europa entsprechen nur die wenigsten dem Stand der Technik. Tausende von ihnen sind technisch veraltet und machen eine Passage für Fische unmöglich oder zu tödlichen Falle.
Langdistanzwanderer wie der Europäische Aal, der Lachs und der Stör weisen starke Bestandsrückgänge auf oder sind vom Aussterben bedroht. Dutzende von Kurzstreckenwanderern verzeichnen ebenfalls einem alarmierenden Bestandsrückgang.

Langdistanzwanderer wie der Europäische Aal, der Lachs und der Stör weisen starke
Bestandsrückgänge auf oder sind vom Aussterben bedroht.
Dutzende von Kurzstreckenwanderern verzeichnen ebenfalls einem alarmierenden Bestandsrückgang.
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Wie viele andere wandernde Fischarten ist der Bestand des europäische Aals und des europäischen Störs stark rückläufig. Der Atlantische Lachs ist in vielen Flusssystemen in Europa regional bereits ausgestorben oder stark dezimiert.

 

Fangverbote sind ein stumpfes Schwert, solange andere Faktoren unbeachtet bleiben

Ein Verbot der Fischerei wird oft als primäre Lösung zum Schutz bedrohter Fischarten erklärt, aber das allein ist keine Lösung!

Zwar kann auch die Fischerei durch sinnvolle Regulierungen einen Beitrag zum Aufbau von Fischbeständen leisten. Aber solange die negativen Auswirkungen anderer Faktoren, wie die Sterblichkeit in Turbinen, der Lebensraumverlust und blockierte Migrationspfade nicht ernsthaft in Angriff genommen werden, werden sich dadurch die Fischbestände nicht erholen.

Eine überfällige Nachrüstung der Wasserkraftwerke auf den neuesten Stand der Technik könnte entscheidend dazu beitragen, wandernde Fische zu schützen. Wichtige und notwendige Umsetzungen der europäischen Richtlinien kommen diesen Anforderungen seit velen Jahren nicht ausreichend nach. Zum “Tage der Wanderfische” fordern die Unterzeichner einen umfassenden Ansatz, der alle durch Menschen verursachten Auswirkungen berücksichtigt. Das beinhaltet die wirksame und Vertragsgemäße Umsetzung bestenhender europäischer Richtlinien zum Schutz der Gewässer und Fische: Wasserrahmenrichtlinie (Richtlinie 2000/60 / EG), Habitat-Richtlinie (Richtlinie 92/43 / EWG) und der Aal-Verordnung (Verordnung (EG) Nr. 1100/2017.

Fische sind in der Regel nicht sichtbar und ihre faszinierenden Lebensformen und Lebensweisen bleiben der Öffentlichkeit verborgen. Blockierte Wanderwege führen zum schleichenden Verlust unserer Fischbestände.

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Es gibt Lösungen, wenn man denn will. Durch ein Leitrechen-Bypass-System erfolgreich geschützte und verletzungsfrei in das Unterwasser abgeleitete Aale (Fang allein aus einer Kontrollnacht). Foto: Dr. Guntram EbelKleine Wasserkraft: geringe Effizienz, massive negative Auswirkungen

Kleine Wasserkraft: geringe Effizienz, massive negative Auswirkungen

Kleinwasserkraftwerke haben einen schlechten Wirkungsgrad und arbeiten nicht wirtschaftlich! 21.000 der 25.000 Wasserkraftwerke und Pumpstationen in ganz Europa sind Kleinwasserkraftwerke. Diese produzieren in der EU zusammen weniger als 1% der gesamten Energie. Gleichzeitig blockieren und verändern sie 21.000 Wanderrouten und verhindern somit den Zugang zu lebensnotwendigen Lebensräumen für Fische und andere Wasserorganismen.
Damit ist die so genannte “kleine Wasserkraft” verantwortlich für massive ökologische Schäden, ohne das sie dabei einen wesentlichen Beitrag zur Stromerzeugung in Europa leistet.

Es ist höchste Zeit zu handeln!
•    Wiederherstellung durchgängiger Gewässer!
•    Beseitigung alter und unnötiger Dämme in unseren Bächen und Flüssen
•    Reduktion von Wanderhindernissen (1,3 Millionen), die Migrationswege für Fische in ganz Europa blockieren.
•    Nachrüstung bestehender Wasserkraftwerke und Pumpstationen mit  Fischschutztechnik und Fischpässen nach dem Stand der Technik
•    Keine Planungsgenehmigungen mehr für neue Kleinwasserkraftwerke (weniger als 1 MW Leistung).

Viele Wanderfische sind vom Aussterben bedroht oder lokal ausgestorben. Es ist Zeit für einen umfassenden Ansatz, der alle menschlich bedingten Auswirkungen bei einer wirksamen Durchsetzung der Wasserrahmenrichtlinie (Richtlinie 2000/60 / EG) und der Habitat-Richtlinie (Richtlinie 92/43 / EWG des Rates) berücksichtigt. Nur so können wir das Naturerbe und die aquatische Artenvielfalt in deutschlands Flüssen und Seen langfristig erhalten.

 

Kontakt:

DAFV - Olaf Lindner
Tel: +49 (0) 30 97104379
Email: o.lindner@dafv.de
Web: www.dafv.de
        SEG – Florian Stein
Tel: +49 (0) 152 27503037
Email: f.stein@sustainableeelgroup.org
Web: http://www.sustainableeelgroup.org

Text: © DEUTSCHER ANGELFISCHERVERBAND e.V. und SUSTAINABLE EEL GROUP (SEG) 2018

Unterzeichner der gemeinsamen Erklärung:

Deutscher Angelfischerverband e.V. (DAFV)
Sustainable Eel Group (SEG)
Wetlands International - European Association
Initiative zur Förderung des Europäischen Aals e.V. (IFEA)
Anglerverband Niedersachsen e.V. (AVN)
Eel Stewardship Fund (ESF)
Eel Stewardship Association (ESA)
Ecofact Environmental Consultants Ltd. EelTown.org
      Grüne Liga – Netzwerk Ökologischer Bewegungen
Institute of Fisheries Management (IFM)
Wild Trout Trust
World Fish Migration Foundation (WFMF)
Stichting Duurzame Palingsector Nederland
NaturFreunde Deutschlands
Deutscher Fischereiverband
North Atlantic Salmon Fond (NASF Deutschland)