Baumaßnahme an der Helme sorgt für Entsetzen - Aussprache mit Verantwortlichen des LHW - 06.02.2017

 

Seit Tagen erhielt unser Verein Anrufe von Anglern und Naturfreunden und auch unser Vorstand war entsetzt von dem, was  in Roßla an der Helme passierte.

Zum Einen wurde hier in ein FFH-Gebiet massiv eingegriffen, zum Anderen wurden wir als Pächter, als auch der Landesanglerverband als Naturschutzverband nicht in die Vorbereitungen einbezogen.

Eine Anfrage beim Umweltamt in Eisleben vorige Woche, welche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen vorgesehen sind, wurde zunächst wegen Urlaub des Behördenleiters nicht sofort beantwortet.

Dies ist inzwischen geschehen.

Die von uns gestellten Fragen wurden von der Behörde inzwischen schriftlich beantwortet.

Nach dem ersten Frust, welchen wir hier einfach mal loswerden mussten, gab es am 7. Februar einen Termin vor Ort mit dem zuständigen Flussbereichsleiter, Herrn Heling. Dabei wurden uns einige der gestellten Fragen direkt beantwortet.

Warum muss der Deich saniert werden?

Die Talsperre Kelbra hat nur ein begrenztes Fassungsvermögen von 36 Millionen Kubikmeter Wasser. Der Ausbau der Helme wurde einst so konzipiert, dass bei einem Hochwasser bis zu 60 m³ Wasser in der Sekunde durchfließen können. Inzwischen sind durch Anlandungen, Baumbewuchs etc. nur noch 50 m³ in der Sekunde möglich. Das kann bei einem Jahrhunderthochwasser (2013 wurde unsere Region verschont) zu Problemen führen, welche die Alten Deiche nicht verkraften. Deshalb ist vorsorglich der über 60 Jahre Alte Deich zu sanieren. 

Warum mussten 60 Jahre alte gesunde Bäume mit Durchmessern von fast zwei Metern fallen?

Bei einer Großzahl der Bäume handelte es sich um nicht einheimische Hybridpappeln, welche auf der Dammkrone standen. Diese mussten entfernt werden, um den Deich wieder sicher zu sanieren. Anders sieht es mit den Bäumen direkt am Gewässer aus.  Diese hätten so nicht entfernt werden dürfen. Verantwortlich soll die Baufirma sein. Hier wurde uns aber zugesichert, dass man zusätzliche Pflanzungen vornehmen will. Die Wurzeln der Weiden am Gewässer werden auch nicht entfernt, so dass die Weiden wieder austreiben können.

Welche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen sind vorgesehen?

Es sollen alleine 170 Erlen in Mittelwasserlinie gepflanzt werden. Diese werden das Ufer festigen und die Wurzeln können später als Fischunterstände dienen. Dazu werden noch andere auetypische Gewächse gepflanzt.

Gibt es anschließend wieder Steilhänge für Brutplätze für den Eisvogel?

Bei der FFH Vorprüfung konnte kein Eisvogelbrutplatz festgestellt werden, auch wenn ständig Eisvögel in diesem Bereich vorkommen.

Welche strukturellen Maßnahmen sind in diesem Bereich in der Helme vorgesehen, um den Fischbestand zu fördern und Vermehrungsdefizite auszugleichen?

Strukturellen Verbesserungen steht der LHW offen gegenüber. Allerdings sind in der jetzigen Planung in diesem Helmeabschnitt keine weiteren strukturellen Maßnahmen vorgesehen.

 

In dem Gespräch hat es sich gezeigt, das manches ein Kommunikationsproblem war. Auch wenn wir formal als Naturschutzverband bei einer Deichsanierung nicht beteiligt bzw. gefragt werden müssen, will der LHW uns zukünftig ausreichend im Vorfeld informieren.

Dazu dienen auch die Gewässerschauen, wo jeder Bürger dabei sein kann. 

In Kürze hat unser Vorstand einen Temin beim Flussbereichsleiter, um auch noch andere Probleme anzusprechen.

Uns liegt die  "Flusslandschaft Helme" als einzigartiger Biotop in der "Goldenen Aue" sehr am Herzen. 

Manche Tierarten - wie Biber, bachneunauge und Fischotter - die Jahrhunderte lang in der Aue  verschwunden waren, haben sich wieder neu angesiedelt. Andere Tierarten, wie Äsche und Barbe, sind immer noch vom Aussterben bedroht.

 

Es liegt an uns, wie wir die Probleme gemeinsam lösen.

 

F.G. im Auftrage des Vorstandes

 

Antwortschreiben UNB


 
Fotoserien zu der Meldung

Instandsetzung am Helme Teich (05.02.2017)

Ein Fluss ohne Bäume ist wie ein Teich ohne Wasser.