Gefräßiger Räuber ist zurück - Reaktion zum Beitrag der MZ - 08.03.2017

Zunächst danke ich der MZ, dass sie das brisante Thema Kormoran wieder aufgegriffen hat. Allerdings fehlen hier noch einige Fakten. Zunächst wird behauptet, dass es einen Konflikt zwischen Anglern und Naturschützern gibt. Es wird einfach von der MZ unterschlagen, dass unser Landesanglerverband und der Dachverband DAFV, genau wie NABU oder BUND, seit mehr als zehn Jahren „Anerkannte Naturschutzverbände“ nach dem Bundesnaturschutzgesetz sind. Wir als anerkannter Naturschutzverband haben auch kein Problem mit dem Kormoran, sondern nur mit der viel zu großen Zahl an Kormoranen. Der Laie sollte wissen, dass die Kormorane in Europa täglich ca. 1.000 Tonnen einheimische Fische (ca. 200 LKW-Ladungen) fressen. Zu dieser „positiven“ Entwicklung kann man nur gratulieren, solange wir unseren Fisch noch aus Übersee und aus dem Supermarkt bekommen können bzw. die EU die Fischereirechte zu Lasten afrikanischer Fischer aufkauft.

Wir haben immer öfter den Eindruck, dass vom NABU eine einseitige Kormoranpolitik zu Lasten einheimischer Fische betrieben wird.

Dabei wird ignoriert, dass wir nicht am Amazonas leben und viele unserer einheimischen Süßwasserfische auf der Roten Liste stehen.

Viele einheimische Fischarten sind, trotz verbesserter Wasserqualität, fast völlig verschwunden. Die Barbe und die Äsche (lachsartiger Fisch) haben in der Helme als einziges Gewässer in Sachsen-Anhalt die DDR-Umweltverschmutzung in guten Beständen überlebt. Erst ab Ende der 90er Jahre, mit dem erstmaligen massiven Auftreten des Kormorans, gingen die Bestände nicht nur dieser beiden Fischarten massiv in der Helme zurück. Dazu muss man wissen, dass 8-10 Kormorane so viel fressen, wie ein Wolf.

Und hunderte bzw. tausend Kormorane, wie in diesem Winter an der Helme, sollen keinen Schaden an den Fischbeständen in so einem kleinen Fluss, wie der Helme, anrichten?

Ist es Naivität, Unwissenheit oder nur noch für einige Leute eine „Glaubensfrage“?

Es ist auch auffallend, das gerade in solchen extremen Situationen man keinen der selbsternannten „Naturschützer“ an der Helme entdecken kann. Es ist ja auch viel einfacher, im Winter Spatzen am Vogelhäuschen zu zählen. Und Fische – auch sterbende – sind ja bekanntlich stumm.

In den letzten Jahren wurden bei Elektrobefischungen (u.a. von der TU Dresden und durch vereidigte Sachverständige im Rahmen von Untersuchungen zur EU-Wasserrahmenrichtlinie) nur noch einzelne Äschen und nur ganz wenige Barben in der Helme festgestellt. Trotzdem hält die Geschäftsführerin des Naturschutzbundes das Aussterben von Äschen und Barben für „unwahrscheinlich“.

Es wird ein „unabhängiges“ Gutachten gewünscht, als wenn das von uns Anglern vor fast 15 Jahren in Auftrag gegebene Gutachten ein „Gefälligkeitsgutachten“ gewesen wäre. Dieses Gutachten eines vereidigten Fischereibiologen hatte damals die Bestandsgröße von Äsche und Barbe in der Helme wissenschaftlich analysiert, den Kormoran als wesentlichen Gefährdungsfaktor benannt und vor dem völligen Zusammenbruch der einheimischen Äschen und Barbenbestände in der Helme in wenigen Jahren gewarnt.

Wir Angler glaubten damals selber nicht so recht an diese Prophezeiung und hofften noch auf eine positive Entwicklung, da ja auch Renaturierungsmaßnahmen in Millionenhöhe vom Land Sachsen-Anhalt, vom Unterhaltungsverband, von Anglern und anderen Förderern an der Helme realisiert wurden. Aber zeitweise tausend Kormorane an der Helme, wie in diesem Winter, lassen diese Investitionen fraglich erscheinen.

In diesem Winter wurden von Jägern auch einige Kormorane der Natur entnommen und so ein kleiner Beitrag zum Schutze unserer einheimischen Fischbestände geleistet. Deshalb ist die bestehende Kormoranverordnung, so lange es keine europäische Lösung gibt, die einzige Möglichkeit, unsere Fischbestände in Sachsen-Anhalt vor diesem Räuber etwas zu schützen.

Seit Jahren sind Äschen und Barben nicht nur in der Helme fast komplett verschwunden, sondern auch in Flüssen wie Bode, Selke und Holtemme kaum noch nachweisbar. Zwischenzeitlich gab es auch „wissenschaftliche Untersuchungen“, wonach in Mägen geschossener Kormorane in Sachsen-Anhalt keine Äschen und Barben mehr nachgewiesen werden konnten. Das führte von einigen „Naturschützern“ zu der abenteuerlichen Behauptung, die Kormorane in Sachsen-Anhalt fressen keine Äschen und Barben…

Unser Verein wäre dem Naturschutzbund sehr dankbar, wenn er seinem Namen gerecht und sich ernsthaft um den Schutz der Natur auch unter der Wasseroberfläche widmen würde. Vielleicht kann er machbare Vorschläge für den Schutz unserer gefährdeten und vom Aussterben bedrohten Fischarten wie Äsche und Barbe benennen. Ein zeitgemäßer und verantwortungsvoller Naturschutz sollte immer auf eine Koexistenz von vielen Arten in stabilen Beständen abzielen und nicht nur auf den Schutz einzelner Arten wie Kormoran, Kranich, Wolf oder Feldhamster.

PS. Einen Faktencheck zum Thema Kormoran gibt es auf der Internetseite unseres Vereines.

Frank Gabriel im Auftrag des Vorstandes des Kreisanglervereines Sangerhausen

Link zum Beitrag der MZ

 

Bitte auch die Zusammenfassung zum Thema Kormoran auf unserer Internetseite beachten.