Sehr geehrte Frau Kurth,

mit Interesse las ich Ihren Artikel „Grüne Gruppen beliebter als Parteien“ Magdeburger Volksstimme vom 6. Juli 2019 (https://www.volksstimme.de/sachsen-anhalt/oeko-bewegung-umweltverbaende-sind-beliebter-als-parteien).

Was in ihrem Artikel an keiner Stelle Erwähnung fand, sind die mehr als 43.000 Anglerinnen und Angler in unserem Bundesland, die aktiv ihre Aufgaben in der Hege der Fischbestände und des Naturschutzes wahrnehmen.

Bereits vor ein paar Jahren gab es einen Artikel in der Magdeburger Volksstimme, der den Titel „den Parteien laufen die Mitglieder davon“ trug und sich mit einem ähnlichen Thema wie dem Ihren befasste.

Die vom Bund anerkannten Umwelt- und Naturschutzvereinigungen, Stand 17.6.2019, umfassen eine Vielzahl weiterer Umwelt- und Naturschutzvereinigungen, die sich für den Erhalt unseres Lebensraumes einsetzen, u. a. die Angler und Jäger.

Der Deutsche Angelfischerverband, ca. 500.000 Mitglieder, ist ein anerkannter Umwelt- und Naturschutzverband, der in ihrer Betrachtung völlig unterging.

Die Mitgliederzahl im Landesanglerverband Sachsen-Anhalt e.V. beträgt derzeit über 43.000 Mitglieder, Tendenz weiter steigend. Seine Mitglieder setzen sich aktiv für die Erhaltung eines gesunden Fischbestandes und einer intakten Umwelt ein. Seine Mitglieder leisten im Jahr in etwa 170.000 Stunden für den Umwelt- und Naturschutz, haben in diesem Jahr 2.852 kg Farmaale in Gewässer eingesetzt, welche Zufluss zur Elbe haben, um das EU Ziel von 40 % abwandernden Aalen zu erreichen. Derzeit liegt die Abwanderungsrate bei lediglich 7-8 %, was zu wenig ist, um die Art nachhaltig zu erhalten.

Des Weiteren besetzen Anglervereine vor Ort Jahr für Jahr ihre Pachtgewässer mit einheimischen Fischarten, bezahlt aus Beitragsmitteln, nicht aus Steuergeldern.

Der Magdeburger Anglerverein e.V. hat in diesem Jahr bereits 27,0 kg Brutaal (Größe ca. 10-15 cm, Gewicht ca. 3 g, Gesamtkosten 3.700 €), in seine Pachtgewässer eingebracht, was einer rechnerischen „Kopfzahl“ von ca. 9.000 Aalen entspricht. Weiterhin wurden rund 400 Zander in ausgewählte Gewässer der LH Magdeburg eingesetzt.

Wenn Sie schreiben, dass der BUND, der NABU und Greenpeace in Deutschland zusammen mit 1,7 Millionen Mitgliedern mehr Unterstützer haben, als alle im Bundestag vertretenen Parteien (1,2 Millionen), dann sollten Sie nicht vergessen, dass es in Deutschland 3,8 Millionen Fischereischeinbesitzer gibt, die ihre Fach- und Sachkunde im Tier- und Umweltschutz durch eine Prüfung nachgewiesen haben.

Ich gestatte mir an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass neben den Jägern und Anglern in keiner anderen Umwelt- und Naturschutzorganisationen Prüfungen abgelegt werden müssen.

Im Dezember letzten Jahres fand im Landtag von Sachsen-Anhalt eine Anhörung zur geplanten Natura 2000 Landesverordnung statt, an der 40 Landesverbände, u. a. die Waldbesitzer, die Jäger, der Kanuverband, die Angler und viele weitere, Ihre Vorbehalte gegen die geplanten Betretungsverbote vorgebracht haben. Mir ist nicht erinnerlich, dass der BUND, der NABU oder Greenpeace an dieser Anhörung teilnahmen. Insoweit ist anzunehmen, dass diese Umwelt- und Naturschutzverbänden die Betretungsverbote hinnehmen bzw. ausdrücklich unterstützen.

„Klinken putzen“, den politischen Entscheidungsträgern nahebringen, was die über 43.000 Anglerinnen und Angler im Lande bewegt, welchen Beitrag sie für den Erhalt eines ökologisch intakten Gewässers, des Fischbestandes und eine saubere Umwelt ehrenamtlich leisten, ist in den letzten Jahren eine der Hauptaufgaben des Landesanglerverbandes Sachsen-Anhalt e.V. und jedes Anglervereins vor Ort geworden.

An dieser Stelle verzichte ich bewusst darauf, über Dinge zu berichten, die sich Behörden einfallen lassen, um hoheitliche Aufgaben zu Aufgaben ehrenamtlicher Vereine werden zu lassen.

Heute sind wir soweit, dass wir von den Kommunen gern am Gewässer gesehen werden, so es um die Beseitigung von Müll und zum Teil illegalem Abfall geht.

Geht es allerdings um Zufahrtsberechtigungen zu den Gewässern, um Angeln zu können, beißt man bei den Behörden vielfach weiter auf Granit.

An unseren Arbeitseinsätzen beteiligte sich im Jahr 2018 erstmals eine kleine Gruppe vom NABU.

An der Beseitigung der Folgen des Hochwassers 2002 und 2013 waren die Angler noch unter sich, als es galt mehrere Tonnen, 2013 über 10,0 t, toter Fische aus den Gewässerrandbereichen von Hand abzusammeln.

Sehr geehrte Frau Kurth, mit meiner Lesermeinung möchte ich verdeutlichen, dass es neben den von Ihnen angeführten Umwelt- und Naturschutzorganisationen weitere Vereine und Landesverbände gibt, die am Erhalt einer intakten Umwelt Interesse haben und sich aktiv an der Arbeit beteiligen.

Aus persönlichem Erleben kann ich sagen, dass, wenn wir mit Politikerinnen und Politikern sprechen, diese schon neidisch auf unsere Mitgliederzahlen schauen und sich mehr Verständnis für die Probleme der Anglerinnen und Angler einstellt, denn letztlich sind Anglerin-nen und Angler potentielle Wählerinnen und Wähler.

Dass Öko-Bewegungen derzeit Konjunktur haben ist unverkennbar. Die von ihnen verfolgten Ziele und die damit verbundenen Kosten müssen sie ihren Unterstützern, den Wählerinnen und Wählern, vor der Wahl offenlegen, weil nicht jeder grün Denkende bereit ist, die Kosten dafür zu tragen; schauen Sie auf die Wahl in Schweden.

Gemeint sind beispielsweise die Kosten für die Trassen der Stromleitungen, um die Windenergie von Nord nach Süd zu transportieren. Die Aufzählung ließe sich erweitern, denke ich nur an die Diskussion um die CO2 Steuer, es geht ums Geld – das Geld der Steuerzahler.

Denken Sie bitte auch an die viel gepriesene Wasserkraft, die zum Tod ungezählter Aale in den Wasserturbinen führt -wissenschaftlich belegt- oder an die Windkraft, die zunehmend gefährdete Vögel, wie dem Rotmilan zum Verhängnis wird. Auch hierrüber hatte die Magdeburger Volksstimme berichtet.

Insoweit ist nicht alles „Grün“ wo „Grün“ draufsteht oder dies suggeriert wird.

Insoweit ist es leichter für die jetzig Demonstrierenden ohne politische Verantwortung (Wählerauftrag) leicht, Ziel zu formulieren, die sich im Falle der Wahl womöglich nur schwerlich umsetzen lassen - Wahltag ist auch für diese Leute der Zahltag, nur sind sie eben noch nicht angetreten, politische Verantwortung als Wählerauftrag zu übernehmen.

Entscheidungen werden heute deshalb vielfach quotenorientiert „herbeiprotestiert“, obwohl wissensbasiert vielfach besser gewesen wäre.

Mit freundlichen Grüßen

Harald Rohr

Magdeburg